Mainframe-Entwicklung verändert sich
Der Mainframe leidet seit Jahren unter einem hartnäckigen Image: alt, sperrig, terminalbasiert und schwer zugänglich.
Dabei liegt die eigentliche Herausforderung längst nicht mehr in der Leistungsfähigkeit der Plattform, sondern häufig in der Art und Weise, wie Anwendungen entwickelt, gewartet und in moderne Entwicklungsprozesse integriert werden.
Genau hier hat sich in den vergangenen Jahren viel verändert.
Mit Visual Studio Code als erweiterbarer Entwicklungsumgebung und einer wachsenden Zahl spezialisierter Extensions entsteht eine Developer Experience, die klassische z/OS-Welten mit modernen Entwicklungspraktiken verbindet. COBOL-Code bearbeiten, auf Datasets zugreifen, JCL ausführen, Jobs überwachen, Anwendungen debuggen oder Builds in DevOps-Prozesse integrieren:
Viele dieser Aufgaben lassen sich heute aus einer modernen Entwicklungsumgebung heraus durchführen.
Dabei geht es nicht darum, den Mainframe oder COBOL zu ersetzen.
Vielmehr wird die bestehende Plattform in moderne Entwicklungs-, Git- und DevOps-Toolchains integriert.
Welche Werkzeuge das ermöglichen und wie weit diese Integration inzwischen reicht,
zeigt ein Blick auf das aktuelle Ökosystem rund um VS Code, z/OS und COBOL.
Warum VS Code auf dem Mainframe ein Game Changer ist
Visual Studio Code hat sich als De-facto-Standard für moderne Softwareentwicklung etabliert.
Die Entscheidung der Mainframe-Anbieter, VS Code statt proprietärer IDEs zu unterstützen, ist strategisch entscheidend:
Niedrige Einstiegshürde für neue Entwickler:innen
Einheitliche Developer Experience über Plattformen hinweg
Direkte Integration in Git, CI/CD, Cloud-Services
Schnelle Innovationszyklen durch Extension-Ökosysteme
Der Mainframe wird dadurch nicht isoliert, sondern Teil desselben Toolchains wie Java-, Cloud- oder Frontend-Entwicklung.
Zowe als Fundament: Die Entkopplung vom 3270-Denken
Das Zowe-Projekt (Open Mainframe Project) bildet die technologische Basis nahezu aller modernen VS-Code-Mainframe-Tools.
Zowe Explorer ermöglicht:
Zugriff auf MVS Data Sets, USS Files und Jobs
Editieren von PDS-Mitgliedern direkt in VS Code
Job-Submission und Spool-Analyse ohne ISPF
Einheitliche Authentifizierung über z/OSMF
Zowe CLI erweitert dies um:
Scriptbare Mainframe-Operationen
Integration in Jenkins, GitHub Actions, GitLab CI
Infrastructure-as-Code-Ansätze für z/OS
❗Architektonisch wichtig: Zowe nutzt REST-APIs (z/OSMF) statt Terminal-Emulation. Das ist der entscheidende Schritt weg von Legacy-UI-Abhängigkeiten.
IBM Z Open Editor: COBOL als First-Class Language
Der IBM Z Open Editor ist heute der Referenz-Editor für COBOL in VS Code.
Zentrale Funktionen
Vollständiges Syntax Highlighting für:
COBOL
PL/I
HLASM
JCL
REXX
Echtzeit-Syntaxprüfung inkl. COPY-Resolving
Code Completion & Snippets
Strukturansichten (Paragraphen, Sections, Data Division)
Git-freundliche Textdarstellung (kein EBCDIC-Lock-in)
Advanced Features (Enterprise)
Für professionelle Umgebungen besonders relevant:
Control Flow & Data Flow Graphen für COBOL
Symbolische Fehleranalyse
Integration mit IBM Dependency Based Build
Remote Builds direkt aus VS Code
3270-Terminal embedded im Editor (für Übergangsszenarien)
Wichtig: COBOL wird hier nicht „notdürftig unterstützt“, sondern als vollwertige Programmiersprache mit IDE-Komfort behandelt.
Build & DevOps: IBM Dependency Based Build (DBB)
Moderne Entwicklung endet nicht beim Editor.
IBM Dependency Based Build (DBB) bringt DevOps-Prinzipien auf den Mainframe:
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Git-basierte Quellcodeverwaltung
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Automatische Abhängigkeitsauflösung
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Inkrementelle Builds (nur betroffene Programme)
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Integration in Jenkins & Pipeline-Tools
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Rückmeldung von Compiler-Fehlern direkt nach VS Code
Warum DBB entscheidend ist
Traditionelle Mainframe-Builds sind:
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langsam
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global
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schwer reproduzierbar
DBB macht Builds:
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deterministisch
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skalierbar
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pipeline-fähig
Ohne DBB ist „Mainframe DevOps“ meist nur Marketing. Mit DBB wird es real.
Debugging im VS Code: IBM Z Open Debug
Debugging ist ein entscheidender Faktor für Entwicklerakzeptanz.
IBM Z Open Debug integriert den bewährten z/OS Debugger direkt in VS Code:
Breakpoints
Step Into / Over
Variable Inspection
Call Stack Analyse
Batch-, CICS- und IMS-Debugging
Die Entwickler:innen bleiben im Editor, statt zwischen ISPF, 3270 und separaten Tools zu wechseln.
Broadcom Code4z: Open & Community-orientiert
Code4z ist Broadcoms Antwort auf IBM und bewusst Open-Source-nah positioniert.
Highlights
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Zowe-basierter Ansatz
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COBOL / PL/I / HLASM Language Support
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Grafische Programmanalyse
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Endevor-Integration
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Debugging via InterTest
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Abend-Analyse direkt im Editor
Code4z ist besonders attraktiv für Organisationen, die:
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stark auf Endevor setzen
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offene Toolchains bevorzugen
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Entwickler:innen schrittweise modernisieren wollen
BMC AMI DevX Workbench: Enterprise at Scale
BMC integriert seine komplette DevX-Suite in VS Code:
Code Debug (Xpediter)
Code Pipeline (SCM & Git Bridge)
Code Insights (statische Analyse & Visualisierung)
File-AID
Code Coverage
Der Fokus liegt klar auf:
Großunternehmen
regulierten Umgebungen
kontrollierten DevOps-Einführungen
Besonders spannend: Code Insights, das komplexe Legacy-Strukturen visualisiert – ein Schlüssel für Wissenstransfer.
Warum das alles den Mainframe attraktiv macht
Diese Tools lösen drei zentrale Probleme:
1️⃣ Nachwuchsproblem
Neue Entwickler:innen lernen VS Code, nicht ISPF.
Jetzt können sie beides.
2️⃣ Wissenssilos
Visualisierung, Git, CI/CD und Codeanalyse machen Legacy-Wissen explizit.
3️⃣ Innovationsfähigkeit
Mainframe-Code wird Teil moderner Plattformstrategien statt isolierter Altlast.
Fazit: Der Mainframe ist nicht alt – nur lange missverstanden
Die Kombination aus:
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VS Code
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Zowe
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IBM / Broadcom / BMC Toolchains
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DevOps-fähigen Builds
zeigt klar:
Der Mainframe ist technologisch hochmodern, jetzt auch in der Developer Experience.
COBOL auf z/OS ist kein Anachronismus mehr, sondern ein Enterprise-Backend mit moderner Tooling-Strategie.
Wer heute in VS Code COBOL entwickelt, arbeitet nicht „gegen die Zeit“,
sondern an der stabilsten Plattform der IT-Geschichte mit zeitgemäßen Mitteln.